Bestandsaufnahme
Die Substanz
Unser Haus entstand um 1900, als Reihenendhaus in einer beschaulichen Kleinstadt in Thüringen. Inzwischen als Fussgängerzone umgestalltet, lag das Haus früher an einer kleinen Straße mit Durchgangsverkehr.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde das Haus von den damaligen Besitzern in den 1990ern umfassend kernsaniert:
- Wände: gut gedämmt und begradigt (riesiger Pluspunkt für einen späteren Einbau einer Wärmepumpe)
- Fenster: Kunststofffenster mit Doppelverglasung (Standard der 90er)
- Dach: ungedämmtes Schleppdach mit Bieberschwanzziegeln auf einer Seite und neuen Ziegel (90er) auf der anderen Seite
- Elektro: bis auf 2 Räume in den 90ern erneuert, 4 alte analoge Stomfzähler
- Heizung: Gas-Heizung von 1994 mit Warmwasserboiler, Heizungen und Rohre auch 90er
- Wasser: Wasserleitungen aus Plastik wurden verwendet, können mit der Zeit brüchig werden
Die Aufteilung
Das Haus teilt sich in 4 Einheiten auf. Im Erdgeschoss gibt es einen ehermaligen Laden mit ca. 30 m² Fläche und eine Wohneinheit mit ca. 50 m². Im Obergeschoss gibt es 2 Wohneinheiten die zu einer großen Wohnung zusammengelegt werden von ca. 100 m². Mit Gästezimmer, Hauswirtschaftsraum und Flur kommen wir auf eine zu beheizende Fläche von ca. 200 m². Der Dachboden und 2 nicht-ausgebaute Bodenkammern kommen auf etwa 45 m². Hier wird nicht geheizt.
Kostenfaktor Gasheizung
Was uns die alte Gasheizung wirklich einbrockt (Stand 2024)
Kommen wir zu den nackten Zahlen – und die haben es mittlerweile echt in sich. Unser Jahresverbrauch der ca. 30 Jahre alten Gasheizung lag zuletzt bei 22.000 kWh Gas, trotz sparsamen heizen. Vor dem Ukraine-Krieg war die Welt kostentechnisch noch halbwegs in Ordnung: Da haben wir einen richtig günstigen Tarif von rund 4 Cent pro Kilowattstunde erwischt. Damals lag unser Verbrauch noch bei ca. 26.000 kWh. Durch die Krise und die veränderte Lage am Energiemarkt haben sich die Preise aber massiv nach oben geschraubt. Trotz regelmäßigem Wechsel zum jeweils günstigsten Anbieter kletterte unser letzter Gastarif auf heftige 12 Cent pro kWh.

Zusammengerechnet bedeutet das: Allein für den reinen Gasanschluss und den Verbrauch blättern wir ca. 2.800 Euro pro Jahr hin (vor dem Ukrainekrieg waren es nur ca. 1.000 Euro, bei höhrem Verbrauch). Aber das ist noch nicht alles bei so einer alten Anlage. Dazu kommen noch rund 120 Euro für den Schornsteinfeger und noch einmal gut 200 Euro für Wartungsarbeiten, damit das betagte Schätzchen überhaupt verlässlich durchläuft. Unterm Strich verbrennen wir hier also Jahr für Jahr über 3.000 Euro, nur um alles halbwegs warm zu bekommen. Ein unhaltbarer Zustand und für uns der finale Weckruf, dass sich hier dringend etwas ändern muss.
REALITÄTSCHECK: EINE TICKENDE ZEITBOMBE
- Die Diagnose vom Fachmann: Unser örtlicher Sanitär-Handwerker – der die Anlage 1994 sogar noch selbst eingebaut hat – hat uns unmissverständlich klargemacht: „Die macht es nicht mehr lange.“ Ersatzteile? Mittlerweile reine Glückssache.
- Das Nervenspiel mit dem Heizungsgesetz: Das Hickhack rund um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) hat uns schlaflose Nächte bereitet. Kommt das Verbot für Gasheizungen? Müssen wir sofort handeln?
- Die Förder-Panik: Gleichzeitig trieb uns die Sorge um: Läuft die staatliche Förderung (von bis zu 70 %) für den Einbau einer Wärmepumpe bald aus, wenn wir zu lange warten?
Fazit: Uns wurde klar: Abwarten ist keine Option mehr. Wenn die Heizung im tiefsten Winter irreparabel die Grätsche macht (Heizungshavarie), verfällt im schlimmsten Fall sogar der staatliche „Geschwindigkeitsbonus“ der KfW-Förderung. Wir müssen also handeln, solange die Heizung noch läuft!
Kostenfaktor Strom
Der Stromzähler-Wahnsinn: Vier Verträge und das ewige Wechselspiel
Neben dem Gas war der Strom die zweite große Baustelle in unserem Altbau. Und hier wartete eine ganz besondere Überraschung auf uns: Im Haus waren sage und schreibe vier einzelne Stromzähler verbaut. Das Absurde daran: Jeder Zähler war einzeln angemeldet. Und das bedeutet im deutschen Tarifdschungel vor allem eins: viermal die volle jährliche Grundgebühr.
Unsere Mission war also klar, aber verdammt anstrengend: Wir mussten ständig Tarife finden, die nicht nur einen günstigen Arbeitspreis (pro kWh) boten, sondern vor allem eine extrem niedrige Grundgebühr hatten. Wer das schon mal für einen Vertrag gemacht hat, weiß, wie nervig das sein kann. Bei vier Verträgen mutiert das Ganze zum handfesten Nebenjob. Das ständige Wechseln über die Jahre war extrem aufwändig, und man muss höllisch aufpassen, den Überblick über Kündigungsfristen und Vertragslaufzeiten nicht komplett zu verlieren.
Das Problem ist bekannt: Die Stromanbieter locken fast ausschließlich mit fetten Neukundenrabatten im ersten Jahr. Als treuer Bestandskunde wirst du danach gnadenlos abkassiert – Vergünstigungen oder einen „Mengenrabatt“, weil wir gleich vier Verträge auf einmal abschließen wollten? Fehlanzeige. Interesse an Stammkunden hat in dieser Branche gefühlt niemand.
Mein treuer Begleiter bei diesem alljährlichen Wahnsinn waren Vergleichsportale wie CHECK24* (Werbelink).
Jetzt könnte man sich ja zu Recht fragen: Warum habt ihr nicht einfach drei der Zähler abgemeldet und alles über einen einzigen laufen lassen? Klingt logisch, spart dreimal die Grundgebühr – ist in der Realität aber leider ein bürokratischer und technischer Albtraum.
Der Grund dafür ist, unser Stromanschlusskasten ist schlichtweg komplett veraltet. Zudem handelte es sich bei den drei alten Zählern um mechanische Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre – also die berüchtigten Dinger, die theoretisch rückwärts drehen würden, wenn man zum Beispiel ein Balkonkraftwerk anmeldet.

Einfach „umklemmen“ ist da nicht erlaubt. Sobald man an so einer alten Anlage grundlegend etwas ändert oder Zähler zusammenlegen möchte, erlischt der sogenannte Bestandsschutz. Das bedeutet: Der gesamte Zählerschrank muss nach den allerneuesten Vorschriften des Netzbetreibers komplett neu aufgebaut werden. Ein erstes Angebot vom örtlichen Elektriker hat uns da direkt mal den Atem verschlagen: Satte 4.000 Euro soll der Umbau des Zählerschranks kosten!
Da stehst du dann als frischgebackener Hausbesitzer und merkst: Um in Zukunft ein paar Euro Grundgebühr zu sparen, musst du erst mal einen dicken vierstelligen Betrag auf den Tisch legen.
DER KOSTENSCHOCK FÜR DIE INFRASTRUKTUR
- Das Problem: Zähler zusammenlegen = Bestandsschutz für den alten Sicherungskasten erlischt.
- Die harte Realität: Der Netzbetreiber fordert einen komplett neuen Zählerschrank nach aktuellen TAB-Richtlinien.
- Das Angebot vom Elektriker: 4.000,– Euro
Fazit: Keine Wärmepumpe oder PV-Anlage vor Erneuerung der Stromanschlüsse!
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