Aller Anfang ist klein: vom Vordach zum Balkonkraftwerk
Bevor man die ganz großen Summen für eine riesige Photovoltaik-Anlage oder eine Wärmepumpe in die Hand nimmt, will man erst mal sehen: Funktioniert das überhaupt? Produzieren wir wirklich unseren eigenen Strom? Für uns war klar: Wir fangen klein an – mit einem Balkonkraftwerk.
Das Problem bei unserem Altbau: Einen Balkon haben wir gar nicht. Aber davon lassen wir uns natürlich nicht aufhalten. Im Hof hatten wir zum Glück Platz an der Hauswand. Eigenlich wollten wir ein kleines Vordach anbringen als Unterstand für unser Mülltonnen. Aber warum nicht das nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Ein Mini-Solardach für unsere Mülltonnen.
Die Hardware: DIY statt Supermarkt-Set
Als wir das Projekt gestartet haben, gab es die günstigen Komplettsets beim Discounter um die Ecke noch nicht. Wir mussten uns die Komponenten also selbst zusammensuchen. Die Solarmodule haben wir direkt von einem Großlieferanten bezogen. Zusammen mit zwei Freunden haben wir eine günstige Großbestellung gemacht und die PV-Module direkt im Großhandel abgeholt. Beim Herzstück der Anlage, dem Wechselrichter, haben wir uns für ein Modell von Hoymiles entschieden – eine absolut solide Wahl, die im Netz für ihre Zuverlässigkeit bekannt ist.
Die passende Halterung für die Module haben wir unkompliziert über Amazon bestellt. (Werbelink*: https://amzn.to/3QusAwC ) Die Halterung hat uns am Besten gefallen, weil sie leicht zu montieren war und flexibel eingestellt werden kann. So könnte man bei Bedarf den Winkel in dem die Module an der Wand befestigt sind leicht variieren.

Das bürokratische Glück im Zähler-Chaos
Erinnert ihr euch noch an unsere vier Stromzähler aus dem letzten Artikel? Hier hatten wir tatsächlich ein kleines Quäntchen Glück im Unglück. Einer der vier Zähler war ja glücklicherweise schon ein neueres, digitales Modell. Es war zwar noch kein intelligentes Smart Meter, aber er hatte zumindest eine digitale Anzeige. Genau an diesen Stromkreislauf haben wir das Balkonkraftwerk angeschlossen und angemeldet. Bei den anderen drei uralten, mechanischen Zählern ohne Rücklaufsperre wäre das ohne den teuren Schrankumbau nicht erlaubt gewesen.
Und was ist mit einem Speicher? Warum wir uns dagegen entschieden haben.
Wer sich heute nach einem Balkonkraftwerk umschaut, wird förmlich erschlagen von Angeboten für passende Akkus und Stromspeicher. Auch wir haben natürlich überlegt: Sollen wir eine Batterie aufstellen, um den Strom für die Nacht zu retten?
Am Ende war die Entscheidung ein klares Nein – und das hatte zwei einfache Gründe:
- Unser hoher Grundverbrauch: In unserem Altbau läuft eigentlich immer irgendetwas. Ob Waschmaschine, Kühlschränke, Technik oder der normale Alltagsbetrieb – unser Stromverbrauch ist insgesamt relativ hoch.
- Hohe Kosten für Speicher: Vor ein paar Jahren waren die Kosten für die Batteriespeicher von Anker, EcoFlow oder anderen einfach zu hoch um bei überwiegender Selbstnutzung es erzeugten Stroms irgendwann nur annähern rentabel zu werden.
Kurz gesagt: Wir verbrauchen den erzeugten Solarstrom eigentlich fast immer zu 100 % direkt im selben Moment im Haus. Wenn man keinen Strom ins öffentliche Netz verschenkt, macht ein Speicher wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn. Für uns war klar: Jeder investierte Euro ist direkt in den großen Umbau des Hauses besser investiert!
WANN LOHNT SICH EIN BALKONKRAFTWERK-SPEICHER?
- Ein Speicher lohnt sich, wenn: du tagsüber kaum zu Hause bist (Single-Haushalt), die Anlage perfekt nach Süden ausgerichtet ist, extrem viel Überschuss produziert und der Akku sehr günstig im Einkauf war.
- Ein Speicher lohnt sich NICHT, wenn: du ohnehin einen hohen Stromverbrauch tagsüber hast (Homeoffice, Familie) oder – wie bei uns – Schatten die maximale Leistung der Anlage bremst.
Unser Tipp: Bevor ihr Hunderte Euro für eine Batterie ausgebt, messt erst euren Grundverbrauch (z.B. über smarte Steckdosen oder den digitalen Zähler). Wer seinen Strom direkt selbst verbraucht, spart am meisten!
Die harte Realität: Wenn das Haus dir Schatten wirft
Die Montage war ein voller Erfolg, der Stecker steckte in der Steckdose und die App zeigte die ersten produzierten Watt an. Ein tolles Gefühl! Doch dann kam der Nachmittag – und mit ihm der größte Feind der Photovoltaik: der Schatten.

Wir haben im Hof ein kleines Vordach mit einer Treppe, die nach draußen führt. Und genau dieses Bauteil wurde uns zum Verhängnis. Ab Mittag wanderte ein kleiner, aber hartnäckiger Schatten über eines der beiden Solarmodule und blieb dort bis zum späten Nachmittag.
Was wir dabei gelernt haben: Bei vielen älteren oder günstigen Systemen bricht die Leistung des gesamten Balkonkraftwerks massiv ein, sobald auch nur ein Teil eines einzelnen Moduls im Schatten liegt. Das liegt daran, dass die Zellen oft wie eine Kette verschaltet sind – ist ein Glied blockiert, fließt kaum noch Strom. Unser Ertrag war durch diese tägliche Verschattung also spürbar beeinträchtigt. Die Ausrichtung und der Winkel in dem die Solarmodule angebracht wurden war optimal, aber die Verschattung aber ein absolutes Manko. Aber genau das macht unser Projekt eben zum echten Testlauf unter realen Bedingungen.
FAZIT: MÜLLTONNENDACH TOP, PV-ERTRAG „NA JA“
- Das Positive: Das selbstgebaute Vordach im Hof ist ein voller Erfolg! Die Mülltonnen stehen trocken, die Montage war kinderleicht und optisch sieht das Ganze auch nicht schlecht aus.
- Die Kehrseite: Die Leistung des Balkonkraftwerks ist durch die suboptimale Ausrichtung und den wandernden Schatten der Hoftreppe leider nur mittelmäßig. Wir ernten spürbar weniger Strom, als die Module eigentlich könnten.
Unser Urteil: Als Einstieg in die eigene Stromerzeugung war das Projekt genial, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Für die Zukunft und die „große“ Energiewende an unserem Haus haben wir aber gelernt: Schatten ist der Endgegner – bei der nächsten Anlage müssen wir das Thema Verschattung von Anfang an professioneller lösen!
Hinweis zu Werbelinks (Affiliate*):
Die mit einem Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Link klickst und etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich entstehen dabei keinerlei Mehrkosten. Als Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen oder Vertragsabschlüssen. Danke, dass du die Energietestpiloten unterstützt!
